Juniorprofessuren stärken — „Tenure Track“-Verfahren einführen

23. Juli 2012
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Der RCDS fordert die Einführung eines "Tenure Track"-Verfahrens. (Foto: UHH/Dichant)

Der RCDS for­dert die Ein­füh­rung eines „Tenure Track“-Verfahrens. (Foto: UHH/Dichant)

Der Senat der Freien und Han­se­stadt Ham­burg ver­öf­fent­lichte am 13. Juli 2012 umfang­rei­che sta­tis­ti­sche Daten zur Situa­tion der Juni­or­pro­fes­su­ren in Ham­burg (Bür­ger­schafts­druck­sa­che 20/4645). Der RCDS for­dert in die­sem Zusam­men­hang, dass eine Mög­lich­keit geschaf­fen wird, bewährte Juni­or­pro­fes­so­ren ohne Aus­schrei­bung auf eine ordent­li­che Pro­fes­sur zu beru­fen (sog. „Tenure Track“). Dabei sollte vor der Umwand­lung eine zweite Eva­lua­tion der Arbeit des Juni­or­pro­fes­sors stattfinden.

Juni­or­pro­fes­so­ren sind meist Wis­sen­schaft­ler, die sich schon vor ihrer Beru­fung auf eine Junio­pro­fes­sur durch beson­dere Befä­hi­gung zur wis­sen­schaft­li­chen Arbeit und durch päd­ago­gi­sche Eig­nung aus­zei­chen müs­sen. Genau sol­che Pro­fes­so­ren braucht die Uni­ver­si­tät Ham­burg: Pro­fes­so­ren, die wis­sen­schaft­lich und päd­ago­gisch aus­ge­zeich­nete Leis­tun­gen erbringen.

Nach­dem eine Juni­or­pro­fes­sur drei Jahre besetzt war, fin­det eine Eva­lu­ie­rung der Arbeit des Juni­or­pro­fes­sors statt, anhand derer ent­schie­den wird, ob der Kan­di­dat die Stelle für wei­tere drei Jahre behält. Bei die­ser Eva­lua­tion han­delt es sich nicht um ein rei­nes Durch­win­ken: In den Jah­ren 2007 bis 2009 sind von 23 Juni­or­pro­fes­su­re­va­lua­tio­nen an der Uni­ver­si­tät Ham­burg sechs nega­tiv aus­ge­gan­gen. Nach den wei­te­ren drei Jah­ren, also ins­ge­samt sechs Jah­ren, endet die Juni­or­pro­fes­sur und darf nicht wei­ter ver­län­gert wer­den. Das vor allem aus Nord­ame­rika bekannte „Tenure Track“-Verfahren, wonach ein bewähr­ter Juni­or­pro­fes­sor auto­ma­tisch und ohne Aus­schrei­bung als ordent­li­cher Pro­fes­sor über­nom­men wer­den kann, ist nach dem Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­setz bis­lang nicht mög­lich.

Dabei würde das „Tenure Track“-Verfahren viele Vor­teile brin­gen: Diese Pro­fes­so­ren wären bereits in ihrer Uni­ver­si­tät ver­netzt und bräuch­ten weni­ger Ein­ar­bei­tungs­zeit als Pro­fes­so­ren, die von außer­halb beru­fen werden.

Würde man die­sem Ver­fah­ren noch eine zweite Eva­lua­tion, näm­lich am Ende der 6-jährigen Juni­or­pro­fes­sur, hin­zu­fü­gen, so ist auch davon aus­zu­ge­hen, dass aus­schließ­lich geeig­nete Kan­di­da­ten diese dau­er­haf­ten Pro­fes­su­ren erhalten.

Ein wei­te­rer posi­ti­ver Effekt würde die Beset­zungs­dichte von Pro­fes­su­ren betref­fen: Aktu­ell ist ca. jede fünfte Pro­fes­sur unbe­setzt. Das scha­det der Lehre, die dann von ande­ren ver­tre­ten wer­den muss. Das scha­det aber auch der For­schung, die dadurch gänz­lich aus­fällt. Würde man geeig­nete und bewährte Juni­or­pro­fes­so­ren über­neh­men, hätte man für diese Stel­len schnell geeig­nete Kan­di­da­ten gefun­den und viele Stel­len müss­ten nicht wie bis­her in dem lang­wie­ri­gen Aus­wahl­ver­fah­ren unbe­setzt bleiben.

Der RCDS for­dert daher, ein sol­ches „Tenure Track“-Verfahren im Rah­men der Novel­lie­rung des Ham­bur­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes einzuführen.

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