Juniorprofessuren stärken — „Tenure Track“-Verfahren einführen
Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg veröffentlichte am 13. Juli 2012 umfangreiche statistische Daten zur Situation der Juniorprofessuren in Hamburg (Bürgerschaftsdrucksache 20/4645). Der RCDS fordert in diesem Zusammenhang, dass eine Möglichkeit geschaffen wird, bewährte Juniorprofessoren ohne Ausschreibung auf eine ordentliche Professur zu berufen (sog. „Tenure Track“). Dabei sollte vor der Umwandlung eine zweite Evaluation der Arbeit des Juniorprofessors stattfinden.
Juniorprofessoren sind meist Wissenschaftler, die sich schon vor ihrer Berufung auf eine Junioprofessur durch besondere Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit und durch pädagogische Eignung auszeichen müssen. Genau solche Professoren braucht die Universität Hamburg: Professoren, die wissenschaftlich und pädagogisch ausgezeichnete Leistungen erbringen.
Nachdem eine Juniorprofessur drei Jahre besetzt war, findet eine Evaluierung der Arbeit des Juniorprofessors statt, anhand derer entschieden wird, ob der Kandidat die Stelle für weitere drei Jahre behält. Bei dieser Evaluation handelt es sich nicht um ein reines Durchwinken: In den Jahren 2007 bis 2009 sind von 23 Juniorprofessurevaluationen an der Universität Hamburg sechs negativ ausgegangen. Nach den weiteren drei Jahren, also insgesamt sechs Jahren, endet die Juniorprofessur und darf nicht weiter verlängert werden. Das vor allem aus Nordamerika bekannte „Tenure Track“-Verfahren, wonach ein bewährter Juniorprofessor automatisch und ohne Ausschreibung als ordentlicher Professor übernommen werden kann, ist nach dem Hamburgischen Hochschulgesetz bislang nicht möglich.
Dabei würde das „Tenure Track“-Verfahren viele Vorteile bringen: Diese Professoren wären bereits in ihrer Universität vernetzt und bräuchten weniger Einarbeitungszeit als Professoren, die von außerhalb berufen werden.
Würde man diesem Verfahren noch eine zweite Evaluation, nämlich am Ende der 6-jährigen Juniorprofessur, hinzufügen, so ist auch davon auszugehen, dass ausschließlich geeignete Kandidaten diese dauerhaften Professuren erhalten.
Ein weiterer positiver Effekt würde die Besetzungsdichte von Professuren betreffen: Aktuell ist ca. jede fünfte Professur unbesetzt. Das schadet der Lehre, die dann von anderen vertreten werden muss. Das schadet aber auch der Forschung, die dadurch gänzlich ausfällt. Würde man geeignete und bewährte Juniorprofessoren übernehmen, hätte man für diese Stellen schnell geeignete Kandidaten gefunden und viele Stellen müssten nicht wie bisher in dem langwierigen Auswahlverfahren unbesetzt bleiben.
Der RCDS fordert daher, ein solches „Tenure Track“-Verfahren im Rahmen der Novellierung des Hamburgischen Hochschulgesetzes einzuführen.

