Einfalt statt Vielfalt: Anfrage enthüllt Kahlschlag im Hamburger Forschungswesen

5. Juli 2012
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Die Wissenschaftsstiftung stärkt die Position Hamburgs als Forschungsstandort. (Foto: UHH/Dichant)

Die Wis­sen­schafts­stif­tung stärkt die Posi­tion Ham­burgs als For­schungs­stand­ort. (Foto: UHH/Dichant)

Im letz­ten Jahr hat die Ham­bur­gi­sche Bür­ger­schaft beschlos­sen, die Wis­sen­schafts­stif­tung abzu­wi­ckeln und auf­zu­lö­sen. Die Begrün­dung der SPD-Mehrheit lau­tet, die Wis­sen­schafts­stif­tung Ham­burg wäre ledig­lich ein ins­trans­pa­ren­tes Instru­ment zur Haus­halts­ver­wal­tung. Im Ein­lei­tungs­text zum Abwick­lungs­ge­setz heißt es: „Sie [Die For­schungs­för­de­rung] soll sich nicht pri­mär durch von Drit­ten aus­ge­schrie­bene Wett­be­werbe auf Bun­des– und Euro­pa­ebene lei­ten las­sen, son­dern auf die Stär­ken der Ham­bur­ger Akteure set­zen und Mit­tel Drit­ter dort gezielt ein­wer­ben, wo sie mit den eige­nen Zie­len über­ein­stim­men.“ Dies legt nahe, dass die For­schungs­för­de­rung ledig­lich umstruk­tu­riert wer­den sollte. Einige haben damals schon die Finte erahnt. Auch vom RCDS wurde die Ent­schei­dung der SPD kri­ti­siert: Statt wie bis­her unab­hän­gige Exper­ten die Güte von For­schun­gen bewer­ten zu las­sen, plante die SPD-Bürgerschaftsmehrheit nun, direkt poli­tisch in die Aus­wahl von For­schungs­pro­jek­ten ein­zu­grei­fen.

Eine Schrift­li­che Kleine Anfrage (Druck­sa­che 20/4533) des Abge­ord­ne­ten Dr. Wie­land Schin­nen­burg ent­hüllt nun die eigent­li­chen Pläne des Senats: Bis­her wur­den 30 For­schungs­pro­jekte in Form von Lan­des­ex­zel­lenz­in­itia­ti­ven oder Gra­du­ier­ten­kol­legs mit 11 Mil­lio­nen Euro geför­dert, jetzt flie­ßen jähr­lich nur noch 4 Mil­lio­nen Euro zur För­de­rung von 2 Bun­des­ex­zel­lenz­in­itia­ti­ven. Wis­sen­schafts­se­na­to­rin Sta­pel­feldt (SPD) tut also genau das Gegen­teil von dem, was sie ange­kün­digt hat: Die Gel­der der For­schungs­för­de­rung wer­den aus­schließ­lich für auf Bun­des­ebene aus­ge­schrie­bene Wett­be­werbe ein­ge­setzt — und das bis zum Jahr 2017.

Die­ser Kahl­schlag wird der Wis­sen­schaft in Ham­burg nach­hal­tig scha­den: Die För­de­rung von ledig­lich zwei Exzel­lenz­clus­tern wird dazu füh­ren, dass neue, auf­stre­bende Insti­tute nicht wie bis­her ihre For­schungs­vor­ha­ben über die Wis­sen­schafts­stif­tung finan­zie­ren kön­nen. Das wird letzt­lich auch junge Wis­sen­schaft­ler dazu brin­gen, lie­ber dort zu for­schen, wo eine der­ar­tige Anschub­fi­nan­zie­rung vor­han­den ist.

Viele der bis­lang von der Wis­sen­schafts­stif­tung geför­der­ten Pro­jekte schei­nen für unsere Gesell­schaft unbe­dingt not­wen­dig: Ein Pro­jekt beschäf­tigt sich mit Inno­va­tion und Pro­dukt­ent­wick­lung für die alternde Bevöl­ke­rung, was gerade in unse­rer Gesell­schaft ange­bracht scheint. Ein ande­res Pro­jekt erforscht die Sicher­heits­as­pekte von Offshore-Windkraftanlagen, was in Anbe­tracht der Ener­gie­wende für unsere Gesell­schaft eben­falls essen­ti­ell ist. Statt vie­len der­ar­ti­gen Pro­jek­ten eine Anschub­fi­nan­zie­rung zu geben, ent­schließt sich die Stadt Ham­burg nun, ledig­lich zwei große Pro­jekte zu fördern.

Pro­jekte von einer unab­hän­gi­gen Stif­tung aus­wäh­len zu las­sen, ist viel­mehr im Inter­esse der Stadt, als Gel­der für Bun­des­in­itia­ti­ven bereit­zu­stel­len. Der SPD-Senat han­delt kopf­los und lässt jeden Weit­blick ver­mis­sen. So ver­spie­len Olaf Scholz und seine Genos­sen den Erfolg des Wis­sen­schafts­stand­or­tes Hamburg.

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