Unorganisierter AStA, gespaltene Mehrheit und plumpe Kapitalismuskritik
Zum Beginn der sechsten Sitzung des Studentenparlamentes (StuPa) in diesem Semester forderte Golnar Sepehrnia (harte zeiten) den StuPa-Präsidenten Dennis Siefer (GeiWi) zum Rücktritt auf. Sein Festhalten und Befolgen der Rechtsgrundlagen der Verfassten Studentenschaft sei für sie undemokratisch. Tja, soweit zu unserem Rechtsstaat… Pikant daran ist auch, dass StuPa-Präsident Dennis Siefer überhaupt erst durch die Unterstützung der Fraktion harte zeiten vor etwa einem Monat in das Präsidium gewählt wurde.
Während des dann folgenden AStA-Geschäftsberichtes beschwerte sich der AStA-Öffentlichkeitsreferent Moriz Krauß (pirat*inn*en) ernsthaft darüber, dass Männer männlich und Frauen weiblich sind. Traurig, dass der AStA scheinbar keine wichtigeren Aufgabenfelder findet.
Das bewies auch Finanzreferentin Franziska Hildebrandt (SDS). Sie erklärte erneut, dass in ihren Augen jedes Beschäftigungsverhältnis im Kapitalismus prekär sei – ganz gleich wie hoch das Gehalt und wie attraktiv die Arbeitsbedingungen sind. Über diese unerwartete Unterstützung von Links werden sich die DAX-Vorstände sicherlich freuen.
Beim Aushandeln des Themas der Aktuellen Stunde meinte Till Petersen (Liste LINKS), die Oppositionsfraktionen würden keinen relevanten Teil der Studentenschaft vertreten. Sieben Fraktionen mit insgesamt 22 Parlamentariern sind für die Liste LINKS kein relevanter Teil der Studentenschaft? Zur Erinnerung: Diese sieben Fraktionen haben bei der letzten StuPa-Wahl zusammen 3.357 Stimmen (42 Prozent) erhalten. In einer Persönlichen Erklärung verurteilten die Oppositionsparlamentarier von RCDS, Jusos und Fachschaftslisten das intolerante und undemokratische Auftreten des Linksaußen-Anführers Petersen.

Linksaußen nutzte die Aktuelle Stunde abermals ausschließlich für Kapitalismuskritik. (Foto: UHH/Dichant)
Die AStA-Mehrheit setzte eine Aktuelle Stunde zur Unterfinanzierung der Universität ein. Das brachte die Linksaußen-Fraktionen wieder auf Hochtouren: Sie bewiesen erneut, dass sie an der Hochschulpolitik keinerlei Interesse haben und alle Themen nur als Sprungbretter für ihre kosmopolitischen Ideologien sehen. So zeichnete man Parallelen zwischen den Auseinandersetzungen in Griechenland und dem „Kampf um die Zukunft“. Bereits vor vier Wochen nutzten die Linksaußen-Fraktionen diese Scheinnähe, damit man Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Faschisten denunzieren konnte.
Üblicherweise genehmigt das StuPa bei jeder Sitzung das Protokoll der vorangegangenen Sitzung. Die Koalitionsfraktionen bewiesen einmal mehr, was für sie „Transparenz“ bedeutet: Ökologie-Referentin Anna-Sophie Rolof (CampusGrün) trat an das Rednerpult und versuchte das Protokoll der konstituierenden StuPa-Sitzung zu zensieren. Inhalte, wodurch die CampusGrünen-Chefin Luise Günther in ein negatives Licht gerückt werden könnte, sollten aus dem Protokoll gestrichen werden. Nach dem anhaltenden Protest der Oppositionsfraktionen zog Rolof ihren Antrag zurück.
Mit einem Dringlichkeitsantrag wollte der AStA auf eine aktuelle Angelegenheit eingehen: In der vergangenen Woche wurden auf dem Campus Unterschriften für die Einberufung einer Vollversammlung gesammelt. Mit seinem Dringlichkeitsantrag versuchte der AStA, die Unterschriftensammler zu unterstützen. Allerdings stimmten Teile der Koalition gegen den eigenen Antrag. Der Dringlichkeitsantrag wurde abgelehnt; eine Vollversammlung soll nicht stattfinden.
Um 1.20 Uhr unterbrach das StuPa auf Antrag der Oppositionsfraktionen die Sitzung. Kurz zuvor beschlossen die Parlamentarier einstimmig eine Änderung der Satzung, wodurch die teilautonomen Referate nun befähigt sind, sich neue Wahlordnungen zu geben.
Der AStA zeigte kein Profil. Man beschäftigt sich mit plumper Kapitalismus– und Wettbewerbskritik. Die Interessen unserer Uni und ihrer Studenten spielen im AStA-Trackt allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die Tolerierungspartner des AStA — das Bündnis für Aufklärung und Emanzipation (BAE) — disqualifizieren sich meistens schon in den ersten Sitzungsminuten durch undemokratische und rechtsbrüchige Beiträge. Bei wichtigen Fragen bekam der AStA keine Mehrheit zusammen und trat gespalten im StuPa auf. Bleiben wir gespannt, was es in zwei Wochen von den männlichen Männern und weiblichen Frauen zu erzählen gibt…


Checken die es nicht oder wollen sie es nicht kapieren? Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewußtsein. Es gibt keine politische Bewegung, die nicht gleichzeitig auch eine gesellschaftliche wäre.