Linksaußen-Minderheit versucht breiter Mehrheit ihre Meinung aufzuzwingen
Die letzte SitÂzung des StuÂdenÂtenÂparÂlaÂmenÂtes (StuPa) war eine verÂhältÂnisÂmäÂßig kurze VerÂanÂstalÂtung. Bereits um kurz vor 21 Uhr stellte das PräÂsiÂdium fest, dass das StuPa nicht beschlussÂfäÂhig sei und brach darÂaufÂhin die SitÂzung ab. Dem Abbruch waren satÂzungsÂfeindÂliÂche AusÂsaÂgen eines PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglieds vorÂanÂgeÂganÂgen. AußerÂdem weiÂgerte sich der AStA FraÂgen der ParÂlaÂmenÂtaÂrier angeÂmesÂsen zu beantworten.
Zum Beginn der SitÂzung berichÂtete das PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglied GunÂhild BerÂdal (Liste LINKS) von der uniÂweiÂten VollÂverÂsammÂlung am 23. Mai 2012. Den Umstand, dass nur wenige StuÂdenÂten an der VollÂverÂsammÂlung teilÂnahÂmen, verÂschwieg das PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglied. Von den knapp 40.000 StuÂdenÂten der UniÂverÂsiÂtät HamÂburg, waren nicht einÂmal 250 StuÂdenÂten anweÂsend (0,625% aller StuÂdenÂten!). Auch wenn unsere SatÂzung klar festÂhält, dass die VollÂverÂsammÂlung unter dieÂsen UmstänÂden nicht beschlussÂfäÂhig ist, sah das die LINKS-Parlamentarierin GunÂhild anders. Ihrer AufÂfasÂsung nach sei die VollÂverÂsammÂlung schließÂlich immer BeschlussÂfäÂhigÂkeit, sofern die AnweÂsenÂden sich in der geisÂtiÂgen Lage sehen würÂden, Beschlüsse zu fasÂsen. Ob diese Beschlüsse dann demoÂkraÂtisch legiÂtiÂmiert sind, scheint von der Liste LINKS wohl nicht hinÂterÂfragt zu werÂden. Kein WunÂder, wenn man bedenkt, dass die EntÂscheiÂdunÂgen der VollÂverÂsammÂlung weitÂgeÂhend dem poliÂtiÂschen ProÂgramm der LinÂken entÂspreÂchen. Die kleine MinÂderÂheit der Linksaußen-Fraktionen verÂsuchte aberÂmals einer breiÂten MehrÂheit ihre MeiÂnunÂgen aufzuzwingen.
Zu den AufÂgaÂben des StuPa gehört die KonÂtrolle des AStA. Ein wesentÂliÂches KonÂtrollÂinÂstruÂment sind in einer parÂlaÂmenÂtaÂriÂschen DemoÂkraÂtie stets die NachÂfraÂgen an die „RegieÂrung“. Auch wenn einÂzelne AStA-Mitglieder es verÂhinÂdern wollÂten, konnÂten die OppoÂsiÂtiÂonsÂfrakÂtioÂnen eine 30-minütige FraÂgeÂrunde an den AStA durchÂsetÂzen. AllerÂdings nutzÂten die AStA-Mitglieder nicht die MögÂlichÂkeit, die satÂzungsÂfeindÂliÂchen AusÂsaÂgen des PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglieds GunÂhild BerÂdal zu demenÂtieÂren. Auch antÂworÂtete man nicht auf die Frage, wesÂhalb der AStA mit einer AusÂsetÂzung der AnweÂsenÂheitsÂpflicht für die VollÂverÂsammÂlung warb, obwohl das UniÂverÂsiÂtätsÂpräÂsiÂdium die AnweÂsenÂheitsÂpflicht gerade nicht ausÂgeÂsetzt hatte.  FraÂgen nach der FinanÂzieÂrung von BootsÂfahrÂten des AStA auf der Elbe und BusÂtouÂren nach FrankÂfurt zu „BlockÂupy“ wurÂden ins LächerÂliÂche gezoÂgen. Die linke KoaliÂtion zeigte keiÂnerÂlei VerÂständÂnis dafür, dass sich das ParÂlaÂment über den verÂantÂworÂtungsÂvolÂlen Umgang der GelÂder der StuÂdenÂten sorgte. Ebenso verÂweiÂgerte der AStA eine angeÂmesÂsene AntÂwort auf die Frage, warum sich die AStA-Vorsitzende Luise GünÂther (CamÂpusÂGrün) mit einer Antifa-Fahne vor dem AStA-Trackt im HamÂburÂger AbendÂblatt hatte ablichÂten lassen.
Trotz der weitÂgeÂhend unbeÂantÂworÂteÂten FraÂgen stellte sich die linke KoaliÂtion einer VerÂlänÂgeÂrung der FraÂgeÂrunde entÂgeÂgen. Der bis dahin trauÂrige VerÂlauf der SitÂzung, ein manÂgelnÂdes VerÂständÂnis für TransÂpaÂrenz und ParÂlaÂmentsÂdeÂmoÂkraÂtie, verÂanÂlasste die OppoÂsiÂtiÂonsÂfrakÂtioÂnen geschlosÂsen den SitÂzungsÂsaal zu verÂlasÂsen. Da die KoaliÂtion aber nicht fähig war, ihre eigene MehrÂheit beiÂsamÂmen zu halÂten, war das StuPa dadurch nicht mehr beschlussÂfäÂhig. Die absoÂlute MehrÂheit im StuPa liegt bei 24 ParÂlaÂmenÂtaÂriÂern. Die linke AStA-Mehrheit hatte jedoch nur 21 ParÂlaÂmenÂtaÂrier im Saal.
Die SitÂzung wurde somit um 21 Uhr abgeÂbroÂchen. Für die Liste LINKS wahrÂscheinÂlich absoÂlut unverÂständÂlich: Sah man sich doch noch in der geisÂtiÂgen VerÂfasÂsung weiÂterÂhin Beschlüsse zu fasÂsen. Es bleibt zu hofÂfen, dass der linke AStA und seine Freunde von der Liste LINKS ihr DemoÂkraÂtieÂverÂständÂnis überdenken!


InterÂesÂsant, dass bei dieÂsem Bericht verÂgesÂsen wird, dass es sich bereits um die zweite FraÂgeÂrunde der SitÂzung hanÂdelte. Da es sich um eine FortÂsetÂzung hanÂdelte und im vorÂheÂriÂgen Abschnitt bereits FraÂgen beantÂworÂtet wurÂden, war es demoÂkraÂtiÂsches EntÂgeÂgenÂkomÂmen des AStA, weiÂtere FraÂgen zu beantÂworÂten. Dies tat der AStA, obwohl wichÂtige Anträge auf der TagesÂordÂnung stanÂden, die behanÂdelt werÂden sollÂten. Die BloÂckade der SitÂzung am Ende war desÂhalb wirkÂlich unanÂgeÂmesÂsen, weil die OppoÂsiÂtion verÂhinÂdert hat, dass die verÂfasste StuÂdieÂrenÂdenÂschaft inhaltÂlich arbeiÂten konnte. Dafür zeige ich keiÂnerÂlei VerÂständÂnis. Den ParÂlaÂmenÂtaÂrisÂmus zu boyÂkotÂtieÂren empÂfinde ich nicht als demoÂkraÂtisch. Des WeiÂteÂren eine kleine NachÂhilfe in Sachen DemoÂkraÂtie: Das PräÂsiÂdium ist unabÂhänÂgig. DemÂnach muss der AStA nichts „demenÂtieÂren“ von dem, was das PräÂsiÂdium sagt. Das wäre auch ausÂgeÂsproÂcheÂner Unsinn. WiderÂsproÂchen wurde dieÂser AufÂfasÂsung. Es wäre wünÂschensÂwert, wenn der RCDS sich mal darÂauf konÂzenÂtrieÂren würde, inhaltÂlich zu arbeiÂten, anstatt SitÂzunÂgen durch AbweÂsenÂheit abbreÂchen zu lasÂsen oder wild auf den AStA zu schimpÂfen, ohne wirkÂliÂchen Anlass zu haben. Wisst ihr überÂhaupt, was „die Antifa“ ist? Das ist nämÂlich kein VerÂein oder sowas, sonÂdern stets ein sponÂtaÂner, offeÂner ZusamÂmenÂschluss von MenÂschen, die sich antiÂfaÂschisÂtisch engaÂgieÂren — grundÂsätzÂlich ist daran also nichts auszusetzen.
Hallo Jan,
das FraÂgeÂrecht der ParÂlaÂmenÂtaÂrier ist ein zenÂtraÂles KonÂtrollÂinÂstruÂment. Es ist AusÂdruck von TransÂpaÂrenz, DemoÂkraÂtie und MinÂderÂheiÂtenÂschutz. So zu tun als sei das FraÂgeÂrecht von der Gnade oder dem „EntÂgeÂgenÂkomÂmen“ des AStA abhänÂgig, halte ich für sehr fragwürdig.
NieÂmand hat den ParÂlaÂmenÂtaÂrisÂmus boyÂkotÂtiert. Wir haben eine SitÂzung verÂlasÂsen, die eine reine Farce war. Eine SitÂzung die bereits in den ersÂten MinuÂten (wieÂder einÂmal) mit rechtsÂbrüÂchiÂgen AusÂsaÂgen eines PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglieds begann und in einer VerÂletÂzung der Rechte der ParÂlaÂmenÂtaÂrier endete. Es ist nicht das VerÂfehÂlen der OppoÂsiÂtiÂonsÂfrakÂtioÂnen, dass es der KoaliÂtion und ihrem ToleÂrieÂrungsÂpartÂner nicht gelunÂgen ist, die eigeÂnen ParÂlaÂmenÂtaÂrier zur TeilÂnahme an der SitÂzung zu motivieren.
Das PräÂsiÂdium ist unabÂhänÂgig. Diese AusÂsage unterÂstütze ich vollÂkomÂmen. Gerade desÂweÂgen halte ich — und hält der RCDS in seiÂner Gänze — das AufÂtreÂten eines speÂziÂelÂlen PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglieds für absoÂlut inakÂzepÂtaÂbel. Die UnabÂhänÂgigÂkeit des PräÂsiÂdiÂums muss den AStA aber nicht hinÂdern, der AufÂfasÂsung des PräÂsiÂdiÂums zu widerÂspreÂchen. Genau darum ging es: Der AStA wurde gefragt, welÂche AufÂfasÂsung er hinÂsichtÂlich der BeschlussÂfäÂhigÂkeit der VollÂverÂsammÂlung verÂtritt und ob er insÂbeÂsonÂdere den AusÂfühÂrung des o.g. PräÂsiÂdiÂumsÂmitÂglied zustimmt. Der AStA hat es vorÂgeÂzoÂgen auf diese Frage nicht zu antÂworÂten und somit hat er — wie es im ArtiÂkel richÂtig heißt — nicht die MögÂlichÂkeit genutzt, die satÂzungsÂfeindÂliÂchen AusÂsaÂgen zu demenÂtieÂren. Schade! ImmerÂhin hatte die OppoÂsiÂtion dem AStA damit bereits eine VorÂlage präsentiert.
Es ist nun ja nicht so, dass die OrgaÂniÂsaÂtiÂonsÂstrukÂtur eine MenÂschenÂgruppe besÂser oder schlechÂter macht. Über die SponÂtaÂniÂtät und die OffenÂheit der Antifa lässt sich manÂcherÂorts sicherÂlich streiten.
Beste Grüße
Ramon
Und noch eine inhaltÂliÂche ErgänÂzung: Der AStA hat offen gelegt, dass weder für die BarÂkasÂsenÂfahrt, noch für die BlockÂupy ProÂteste AStA-Geld ausÂgeÂgeÂben wurde, sonÂdern, dass diese AktioÂnen aus eigeÂner Tasche bezahlt wurden.
Auch auf diese ErgänÂzung sei kurz geantwortet:
OffenÂgeÂlegt hat der AStA nichts. Er hat mit einÂzelÂnen AusÂsaÂgen die FraÂgen der ParÂlaÂmenÂtaÂrier ins LächerÂliÂche gezoÂgen und dabei — insoÂweit stimme ich Dir zu — erkenÂnen lasÂsen, dass für diese beiÂden VerÂanÂstalÂtunÂgen nicht unmitÂtelÂbar GelÂder geflosÂsen sind. GänzÂlich unbeÂantÂworÂtet sind FraÂgen nach dem Umfang des EinÂsatÂzes einÂzelÂner AStA-Mitglieder und MitÂarÂbeiÂter (im RahÂmen ihrer AStA-Tätigkeit) bei dieÂsen VerÂanÂstalÂtunÂgen und deren VorÂbeÂreiÂtunÂgen sowie übrige mateÂriÂelle Unterstützungen.