Fehlstart des neuen AStA

Wahlmanipulation an der Uni Hamburg: Bürgerschaftsabgeordneter fragt nach. (Foto: Alexander Hauck)
Gleich die erste Sitzung nach der Wahl des neuen AStA war ein absoluter Fehlstart. Doch zum Beginn der Sitzung war es nicht einmal der AStA, sondern das Präsidium, das für Kopfschütteln sorgte. Präsidiumsmitglied Dennis Siefer eröffnete die Sitzung und verkündete, dass in der Hamburgischen Bürgerschaft ein Abgeordneter beim Senat nach den Urkundenfälschungen im Studentenparlament fragte. Die ListeLINKS regte sich heftig darüber auf und erhielt dabei Rückenwind ihres Präsidiumsmitglieds Gunhild Berdal. Gunhild erklärte ganz unverblümt von der Präsidiumsbank, dass es nicht sein könne, dass diese Vorgänge außerhalb des Stundentenparlamentes behandelt würden und überhaupt sei das StuPa „souveräner“ als Bürgerschaft und Senat der Freien und Hansestadt Hamburg.
Diese Diskussion und der abermalige Versuch die Straftaten an unserer Universität zu vertuschen, führte zu einer Persönlichen Erklärung der RCDS-Abgeordneten Veronika Faltermeier und Ramon Weilinger: „Wir begrüßen die Anfrage des Abgeordneten Kleibauer und unterstützen das hiermit zum Ausdruck gebrachte Bemühen um Aufklärung und Transparenz. An alle Mitglieder und vor allem das Präsidium des Studierendenparlamentes appellieren wir eindringlich: Verschwiegenheit und Geheimhaltung schützen die Täter und schaden den uns vereinenden demokratischen und rechtsstaatlichen Überzeugungen“.
Der Geschäftsbericht des AStA verkam zur Selbstdarstellung einiger AStA-Mitglieder. In der Königsklasse spielten der Referent für Hochschulpolitik, Martin Riecke (CampusGrün) und der Referent für Politische Bildung, Kultur und Kritische Wissenschaft, Artur Brückmann (SDS). Ihre Inhalte bestanden überwiegend darin zu erklären, dass ihre Vorgänger schlecht waren, sie aber selbstverständlich viel besser sein wollen. Ähnlich spektakulär und zugleich inhaltsleer war der Geschäftsbericht des Referenten für Soziales und Soziale Bewegung, Maarten Thiele (Regenbogen/Alternative Linke).
In der Fragestunde ging es dann um die Jobmesse vom 9. und 10. Mai 2012. Die zweitägige Messe bietet Studenten und Absolventen der Hamburger Hochschulen die Möglichkeit, mit interessanten Unternehmen aus dem In– und Ausland in Kontakt zu treten, um so zukünftige Arbeitgeber persönlich kennen zu lernen, Jobangebote zu sichten und Bewerbungsideen und –chancen zu konkretisieren. Sie haben die Möglichkeit mit vielen Vertretern aus der Berufswelt zu sprechen und durch ihre Erfahrungen zu profitieren. Im Vorfeld der Sitzung äußerte der AStA bereits massive Kritik an der Jobmesse. Sie diene nur dazu den „Leistungs– und Konkurrenzdruck zu verschärfen“ und überhaupt sei man „gegen kommerzielle Werbung auf dem Campus“. Beifall bekam der AStA — wie zu erwarten — von Linksaußen: Laut dem „Bündnis für Aufklärung und Emanzipation (BAE)“ herrsche an der Uni ein „Marketing-Terror“, den man dringend bekämpfen müssen.
Der AStA hat den Studenten an der Universität Hamburg damit wohl einen Bärendienst erwiesen, aber mehr noch: Nach getaner Kapitalismuskritik sind die AStA-Mitglieder zur Jobmesse gegangen und haben sich auf die Kosten der Universität Hamburg Marketing GmbH durchgefuttert. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern geradezu scheinheilig!
Auf Initiative des RCDS erklärten alle Oppositionsfraktion, dass sie die Jobmesse begrüßen und untersützen: „Die unberechtigte und in unseren Augen absolut unverständliche Kritik des AStA an der Jobmesse verurteilen wir ausdrücklich. Wir können nicht nachvollziehen, warum sich der AStA anmaßt, den Studierenden dieses Angebot verwehren zu wollen. Die Meldung des AStA vom 9. Mai 2012 zeugt von einer intoleranten Geisteshaltung. Vielmehr noch müssen wir feststellen, dass die Koalitionsfraktionen ganz offensichtlich den AStA missbrauchen, damit sie den Studierenden an unserer Universität ihre politische Ideologie aufzwingen können.“
Die Aktuelle Stunde zum Thema „Antifaschismus“ setzte der Sitzung die Krone auf: Linksaußen-Anführer Till Petersen machte deutlich, dass Faschist jeder sei, der nicht seine Meinung teilt. Beispielsweise sei grundsätzlich der ein Faschist, der das „BAföG für alle“ ablehne. Wobei er sich so gütig zeigte, zu erklären, dass manche Menschen einfach nicht aus den sie umgebenden faschistischen und kapitalistischen Denkmustern ausbrechen können. Die Weisheit des Till Petersen also in Kürze: Denkst du nicht wie ich, bist du doof oder Faschist.
Für die Hetze von Linksaußen gegen Andersdenkende erhielten Till Petersen und seine Genossen großen Beifall der Koalitionsfraktionen. Nur die CampusGrünen haben sich erstmals in dieser Wahlperiode gegen eine weitere Radikalisierung entschieden und versuchten den extremen Wortlaut des BAE-Aufrufs „Nazi-Aufmarsch stoppen!“ zu entschärfen. Das sorgte aber gleich für Unmut in den eigenen Reihen. Der kleinere Koalitionspartner pirat*inn*en schrieb bei Twitter: „Änderungen von CampusGrün angenommen — einige Sätze und Inhalte aus dem Antrag gestrichen. Schade.“
Insgesamt ist die Koalition sehr schwach aufgetreten. Die Linksaußen-Fraktionen des BAE sehen hingegen ihre Sternstunde gekommen. Sie nutzen ihren Einfluss auf die Koalition, die alleine keine Mehrheit hat, halten sich aber selbst nur bedingt an Absprachen. Den Koalitionären stehen wohl noch viele spaßige Stunden bevor.
Persönliche Erklärung zur Kritik des AStA an der Jobmesse


Hallo RCDS,
Artur ohne h.
Finde den Fehlstart Flyer ganz lustig, ihr bezeiht Euch (trotz der mega Überschrift) lediglich in drei bis fünf Sätzen auf den AStA, im Rest gehts um das BAE (bzw. nur Liste Links).
An welchen Stellen sind wir schwach aufgetreten?
Cool oder, die pirat*inn*en haben manchmal auch ne eigene Meinung…
Gruß
Moritz
Moin Moritz,
auch wenn Ihr es gerne verkennt oder vielleicht auch einfach nicht wahr haben wollt, werdet Ihr vom BAE toleriert. Ob gewollt oder nicht, verhelft Ihr den Linksaußen-Fraktionen zu einem Höhenflug. Bei Eurer nächtlichen Besprechung über das weitere Vorgehen war es Linksaußen-Wortführer Petersen, der in der Koalitionsrunde einen kosmopolitischen Vortrag hielt. Eure ständigen Hinweise, wonach das BAE mit Euch ja überhaupt nichts zu tun habe, sind offensichtlich falsch. Einen RCDS-Vertreter würdet Ihr in Euren Runden wohl keine Vorträge halten lassen.
Die Tatsache, dass man über den AStA nahezu nichts berichten kann, abgesehen von den Selbstdarstellungen einiger Deiner Kollegen und einer scheinheiligen, stumpfen Kapitalismuskritik, sagt doch bereits mehr als genug. Der AStA hat nichts auf die Agenda gebracht. Stattdessen wurde dem BAE die Bühne überlassen und als Dank dafür konnte nicht einmal das Arbeitsprogramm Eures „politischen AStA“ besprochen werden. Schon traurig.
Ich habe nie behautet, dass die pirat*inn*en keine Meinung haben.
Beste Grüße
Ramon
P.S.: Danke für den Hinweis. Jetzt hat Artur kein „h“ mehr.
Oh man — das ist immer echt witzig was ihr schreibt und wie ihr die Lage einschätzt ^^
Danke dafür! Sehr amüsant.
Zudem zu unserem twitter Beitrag: Inhalte werden halt im StuPa ausdiskutiert — wir verfahren halt demokratisch. Ich fands halt schade, dass einige Inhalte und Analysen aus dem Antrag entfernt wurden, da ihm so die argumentative Grundlage ein Stück weit genommen wurde.
Unmut gegenüber CampusGrün ist das aber nicht — wir haben uns ja vorher drüber geeinigt, dass wir in inhaltlichen Diskussionen unabhängig agieren können — und wollen. Das macht ein lebendiges StuPa aus.
Moin Lars,
es freut mich sehr, wenn wir Dich mit unseren Berichten unterhalten. Uns unterhält häufig das Schauspiel im Studentenparlament.
Wenn Ihr nicht einmal in inhaltlichen Detailfragen innerhalb Eurer Koalition einen Konsens findet, wie soll es dann bei größeren und für die Studenten an unserer Uni wichtigeren Themen ablaufen? Was macht Ihr dann bei der Novelle des Hochschulgesetzes? Hört die Senatorin dann von drei Hoschulreferenten des AStA drei unterschiedliche Meinungen?
Beste Grüße
Ramon